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Reisebericht 6. Etappe

 
 

Kaum aufgewacht, gehen mir nocheinmal alle Highlights dieser Woche wie in einem Film durch den Kopf. Gleichzeitig kann ich ganz entspannt dem heutigen Tag entgegensehen. Das Bahn-Ticket schon in der Tasche, eine Zugverbindung gefunden, die mich weder zu allzu frühem Aufstehen zwingt und trotzdem nach Ankunft in Annecy noch genug Zeit läßt, in der zweiten Tageshälfte nicht hetzen zu müssen. Und beim Raussehen aus dem Zimmerfenster schon wieder kein Wölkchen am Himmel!

In den umliegenden Geschäften stelle ich mein bewährtes Frühstück zusammen, setze mich damit auf die Dachterrasse, schaue in die Morgensonne und lasse mich schließlich auch animieren einige Runden in dem schönen kleinen Pool zu drehen, den das Hotel hier oben über den Dächern von Orange seinen Gästen - trotz aller sonstigen Einfachheit - bereithält.

Mit nicht erwarteter Pünktlichkeit läuft dann am späten Vormittag der Zug nach Lyon im Bahnhof ein, mit dem es durch das Rhônetal bis nach Valence geht. Auch der Anschluss nach Annecy läßt nicht lange auf sich warten. Das Aufregendste an der ganzen Bahnfahrt war eigentlich nur, dass ich feststellen musste, das Rad völlig umsonst in ein Gepäckstück umgewandelt zu haben. Selbst der Anschlusszug, der keinen eigenen Wagen für den Fahrradtransport mitführte, verfügte über Haken an der Decke mittels denen man das Rad bequem und in Sichtweite zu den Sitzplätzen aufhängen konnte.

Als ich in Annecy ankam, hatte ich das Rad bereits wieder ausgepackt und die diversen Umbauten soweit rückgängig gemacht, dass die Reise nahtlos auf zwei Rädern weiter gehen konnte. Diesen Zeitvorteil nutzte ich dazu, der ausgefallen schönen Altstadt einen Besuch abzustatten und mir einen Eindruck von der belebten Seepromende verschaffen.

Gegen 16:00 Uhr beginnt sich dann der Kreis endgültig zu schließen. Am See entlang mache ich mich auf den Weg zum Ausgangspunkt La Clusaz. Und während ich versuche, die ganze Tour ohne Hektik ausklingen zu lassen, überholt mich ein französischer Sportsfreund. "Muss denn das wirklich jetzt noch sein?", frage ich mich kurz und nehme dann aber ohne ernsthaft über eine Antwort auf diese Frage nachzudenken, die Herausforderung an. Kurz vor dem Col de Bluffy gibt mein ungebetener Sparringspartner den Glauben auf, mich mit meinem Rucksack stehen lassen zu können. Als er dann in Thônes einen anderen Weg nimmt als ich, bin ich darüber nicht wirklich traurig. Die letzten 800 Höhenmeter, die zum Col de la Croix Fry, vergehen mit den freigefahrenen Beinen dann aber doch wie im Flug.