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| Bei meinem Mitternachtsspaziergang durch Massat hatte ich bereits erkundet, an welcher Stelle sich das Sträßchen zum Col de Saraillé aus dem Ort hinausschlängelt. Schönes Tagesauftaktprogramm auf einem schmalen, sich dahinwindenden Philosophenweg - immer den Eigenwilligkeiten des Gebirgszuges folgend. Und fast immer im Schatten der Nordseite. Auf dem Weg hinunter nach Seix muss ich wohl ein bisschen ins Träumen gekommen sein. Jedenfalls will ich meinen Augen nicht trauen, als sich plötzlich hinter mir ein gemischtes Tandem zum Überholen in die Pedale stemmt. Ich finde an dem Bild der zwei betagten, aber beherzten Randonneure gefallen und verfolge kilometerlang mit höchstem Vergnügen, wie er nochmal seine Abfahrerqualitäten aus der Trickkiste kramt (später Bremspunkt, heftige Kurvenlage, am Kurvenende starker neuer Antritt). Obgleich ich denke, dass seine Begleiterin jetzt wohl eine ganze Menge Vertrauen und all´ ihren Mut aufzubringen hat, macht es aber auch nicht den Eindruck als wäre sie, von dem was ihr Steuermann da gerade abfackelt, sonderlich überrascht. Eine halbe Stunde später verlasse ich Seix Richtung Col de la Core, biege dann aber wenig später in Sentenac-d´Oust rechts ab, um über den Col de Catchaudégue und den Col de Portet ins Lez-Tal hinüberzuwechseln. Von dort zieht sich die Straße zunächst mit moderater Steigung hinauf zum Col de Portet d´Aspet. Ein hartes Stück Arbeit bei 35 °C, kaum einmal Schatten und dem Rucksack auf dem Rücken. Gut, dass es entlang der Strecke immer wieder mal Dorfbrunnen zum Nachtanken und das eine oder andere zu entdecken gibt. In der Ortschaft Portet d´Aspet, der Stelle, ab der die Steigung hinauf zum Pass nun nicht mehr unter 11% fällt, sitzen die Einheimischen bestens gelaunt unter Obstbäumen in der Wiesenterrasse am Hang. Augustwochenenden sind hier Festtage, wie vielerorts in Frankreich. Aber so idyllisch ..., vielleicht selten. Im gleichen Augenblick, in dem ich das muntere Völkcken da im Schatten bei Gegrilltem picknicken sehe, macht sich in meinem Kopf die Überzeugung breit, dass das Schwächeln, das sich da gerade in meinem Körper breit zu machen versucht, mit einer nicht ausreichenden Nahrungsaufnahme am Morgen zusammenhängt. Also ab unter die Franzosen! Die herzliche Atmosphäre macht es mir schwer wieder aufzubrechen, aber ich will mir für heute Nachmittag noch ein paar Optionen offenhalten. Mit neuem Elan geht es nun wieder richtig voran und nach oben zum Col de Portet d´Aspet. Neben dem Passschild ist mir ein Brunnen sehr willkommen, an dem ich den Wasservorrat auffülle. Schließlich geht es nach nur wenigen Kilometern steiler Abfahrt schon wieder in den nächsten Anstieg, den zum Col de Menté. Kehrenreich und mit maximal 12% führt die Trasse 12 km anspruchsvoll hinauf auf das Joch, das die direkte Verbindung nach St. Béat ermöglicht. Von dort sind es nur noch 20 km in eines der lebendigsten und freundlichsten Städtchen der zentralen Pyrenäen, Bagnères-de-Luchon, mittlerweile oft nur noch kurz mit Luchon bezeichnet. Im ´Deux Nations´, unweit des zentralen Boulevards gelegen, mache ich ein Zimmer klar, besorge beim Bäcker, im ´Petit Casino´ und im Früchteladen eine bunte Mischung nahrhafter Lebensmittel und schmackhafter Leckereien. Nun kann ich mich in Ruhe auf den Weg nach Superbagnères machen, der hoch über Luchon gelegenen Skistation. Ein richtiger Feierabend-Leckerbissen. Kaum bin ich die 1.200 Höhenmeter hinaufgeklettert, geht hinter den Bergen im Nordwesten die Sonne unter, so als wollte sie mir zeigen, wo der Col de Tourmalet, der vorläufige Höhepunkt meiner Pyrenäen-Tour auf mich wartet. Keine halbe Stunde später rolle ich wieder, am ehrwürdigen
Thermalbad vorbei, den mittlerweile in Laternenlicht getauchten, südländisch
bevölkerten Luchon-Boulevard entlang. Duschen, Pflegen, Essen und
dann nochmal raus: Leute, Mentalität, Atmosphäre erleben - und
natürlich auch ein bisschen die Muskulatur lockern. |