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| Bevor es heute Richtung Tourmalet weitergeht, will nocheinmal gut überlegt sein, wie die Etappen der nächsten Tage eingeteilt werden können. Erstens geht am Samstag morgen um 5:00 Uhr der Bus zurück nach Deutschland. Bis dahin sollte ich also spätestens dort oben sein. Zweitens ist spätestens ab der Wetterscheide Col d´Aspin mit vom Atlantik beeinflusstem Wetter zu rechnen. Und auch die Großwetterlage wird ein wenig instabiler. Nach einer Stunde Abwägung unterschiedlichster Etappen-Varianten, entschließe ich mich, nicht auch noch den 100-km-Schlenker zum Col d´Aubisque einzubauen. Anstatt dessen werde ich versuchen, eine Gewitterlücke am Tourmalet zu finden und mir die Option offen lassen, das Rundfahrtende mit einer reinen Andorra-Etappe zu krönen. Gleichzeitig lässt mir diese Planung den zeitlichen Raum, heute morgen von Luchon aus zunächst einen Abstecher über den Col du Portillon ins spanische Bóssost zu unternehmen. Noch bevor ich dann zum Col du Peyresourde aufbreche, mache ich dem Radladen in Luchon meine Aufwartung, den ich bereits gestern nachmittag entdeckt hatte. Im überdachten Teil des kleinen Freiluft-Werkstatt-Hofes, noch vor dem Schaufenster hinter dem sich Räder, Rahmen, Teile und Zubehör wie in einem Radmuseumsarchiv türmen, hängen bunte Radmützen an einer Wäscheleine. Monsieur Albert kramt irgendwo eine Stehleiter her und holt mir die Mütze runter, die ich mir ausgesucht habe um die nächsten Tage nicht nochmal in Sonnenstichgefahr zu geraten. Auch eine Sitzcreme würde ich mir gerne mitnehmen, aber Monsieur hat nichts anderes zu bieten, als eine Dose Hirschtalg - und damit habe ich nicht wirklich gute Erfahrungen gemacht. Dann ist es aber höchste Zeit, die 950 Höhenmeter zum Peyresourde in Angriff zu nehmen. Trotz einer durchschnittlichen Steigung von 11 % und einer maximalen von 13 % - nur unterbrochen durch ein flacheres Teilstücks im Bereich von Castillon-de-Luchon - heißt es nun wieder einen guten Tret-Rhythmus zu finden und mit der brütenden Hitze fertig zu werden, bevor die lange Abfahrt nach Arreau zur Erholung und zu rasender Fahrt einlädt. Ein Blick hinüber zu den lockenden Kehren der Ostflanke des Col d´Azet, lässt mich nocheinmal kurz über eine Änderung meiner Route nachdenken, schließlich ziehe ich dann aber doch vor, über den Col d´Aspin mein Tagesziel Ste. Marie de Campan anzusteuern. Vielleicht lässt sich der Azet ja auf dem Rückweg einbauen. Auch die dunklen Wolken, die sich von Westen her über den Col d´Aspin
in den diesseits blauen Himmel schieben, legen es nahe, den direktesten
Weg zu nehmen. Die letzten Meter zum Aspin hinauf fängt es an zu
tröpfeln. Ste. Marie nur noch eine Abfahrt weit von mir entfernt,
freue ich mich mehr über die erfrischende Abkühlung am Ende
dieses heißen Tages, als dass mich die Nässe stören würde.
Kaum habe ich das schützende Dach der ´Auberge´, in der
ich diese Nacht zubringen werde, über dem Kopf, da schlägt das
Wetterleuchten auch schon in ein ausgewachsenes Gewitter um. Eine Stunde
später sitze ich beim sättigenden und trotzdem leckeren ´Menu
paysanne´, vom Vater angepriesen, von der Mutter gekocht und den
Töchtern serviert. Draußen regnet, blitzt und donnert es noch
immer und ich hoffe, dass sich die Natur bis morgen früh soweit ausgetobt
hat, dass der legendäre Tourmalet sich mir nicht entziehen kann. |